Über Faulgase und die Biologie

von Joachim Pimmelberger

Manche Eigenheiten der Natur sind ebenso abstoßend wie faszinierend – sofern man sich mit der Materie beschäftigt. Eine davon ist der Geruch von wenig frischem Fisch, der auf das Gas Trimethylamin zurückzuführen ist. Dieses Gas entsteht beim Abbau eines Stoffes, der vor allem in Fischen vorkommt und heiter bis wolkigen Ekel hervorruft. Aber nicht nur in Fischen kommt es zur Bildung dieses Gases. Auch in Eiern kann Trimethylamin vorkommen, sofern das Huhn, das das fischige Ei gelegt hat, mit Soja- oder Fischmehl gefüttert wurde. Sogar manche Pflanzen wie das Bingelkraut oder die Eberesche sind dazu in der Lage, diese fauligen Gase zu produzieren. Jedoch nicht, um andere Lebewesen fernzuhalten, sondern um sie anzulocken: Insekten finden sie hammergeil. Bienen und Blüten.
Joachim Pimmelberger wäre nicht Joachim Pimmelberger, wenn er an dieser Stelle zu denken aufhörte. Jedes Jahr zur selben Zeit nimmt er an manchen Stellen seines Heimatortes den überwältigenden Geruch von Ejakulat wahr, der nur von Bäumen herrühren kann, die mitten in diesem Geruch stehen. Schlussfolgerung: Diese olfaktorische Omnipotenz könnte etwas mit Trimethylamin zu tun haben, denn dieses Gas entsteht ebenfalls beim Abbau des männlichen Ejakulat und im Vaginalsekret der Frau. Da dem gemeinen Menschen der Geruch von Sperma und Vaginalsekret geläufiger ist als der von Baum-Blüten, hat die Bitteresche (oder Götterbaum) schnell ihren Spitznamen: Wichse-Baum. Oder widerlicher Wichse-Baum. Oder Sperm-tree. Diese Verunglimpfung ist jedoch nicht gerechtfertigt, denn Joachim las, dass der Geruch mancher Frau – je nach Stimmung – durchaus zu gefallen weiß.

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