Unter Pinien

von Joachim Pimmelberger

Reisebericht Nummer eins – Carcans Plage

Joachim liegt in einer Hängematte, die zwischen zwei aquitanischen Palmen – Pinien – gespannt ist. Er lässt sich in einem Moment der Ruhe treiben, die Hängematte wird zum Kanu auf dem See seines Geistes. Solche Momente sind rar, zumeist wirbeln Aufgaben und Ereignisse seine Gedanken auf, Gischt spritzt, Wellen türmen sich auf und versperren die Sicht auf weitreichende Erkenntnisse. Auch in der Hängematte bleibt ihm eine weitreichende Erkenntnis fern. Jedenfalls sofern die Erkenntnis, keine weitreichende Erkenntnis zu haben, nicht als weitreichende Erkenntnis zählt. Er treibt losgelöst von Gedanken zu Gedanken und nimmt wahr, wie sich Wahrnehmungen aller seiner Sinne aufdrängen: Er schmeckt die Sonnenstrahlen, die die Nadeln der Pinien passieren, er spürt ihre Energie auf seiner Haut, nimmt sie auf, genau wie die vereinzelten Spitzen des kühlen atlantischen Thermalwindes, der die Bäume samt Hängematte wiegt. Er riecht Reste von Sonnencreme in seiner Kleidung, er riecht das Salz des Meeres in der Luft und den Staub der Dünen, er sieht Zelte, Stämme, Menschen, er hört Stimmengewirr, irgendwelche Musik, vereinzeltes Lachen und das Grundrauschen der Wellen. All das kann seine Ruhe nicht stören, kurz hat er das Gefühl, nicht stattzufinden, mit seinen Empfindungen zu verschmelzen, nur noch aus Sinnen zu bestehen, die sich den Wellen seiner Umwelt anpassen. Lange hält das Gefühl nicht: Sein Magen gibt durch aggressive Geräusche kund, bereits zu lange leer zu sein und lässt Joachim in seiner Hängematte materialisieren und zu Tische setzen.

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