Apokalypse im Schrebergarten – Teil vier

von Joachim Pimmelberger

Seit Joachims vergangenem Besuch ist der Bau des Möbel-Bunkers nicht fortgeschritten – einem vorläufigen Bau-Stopp sei Dank. Über die Zukunft der Schrebergartenkolonie wird derzeit von Politikern, Aktivisten, Lobbyisten und Wirtschaftsmenschen fernab der grünen Realität diskutiert. Währenddessen schreitet der Verfall weiter voran und der Herbst untermalt die Gammelei durch rotte Blätter, faule Äpfel sowie matschige Pfützen. Joachim streifte dieses Mal durch den Teil des Geländes, den er noch nicht sah und entdeckte wieder viele schöne Details, Marodes wie Lebendiges, Zerstörung und Schönheit, Natur und Zivilisation. Er scheint jedoch nicht mehr einer der wenigen zu sein, die die verlassenen Parzellen aufsuchen, denn die reich tragenden Apfelbäume lockten viele Apfelsucher an, die kreuz und quer Trampelwege etablierten. Im Kontrast dazu nahm er ebenfalls eine starke Präsenz der Personen wahr, die einst das Gelände bewirtschafteten: Selbstgemachte Window-Color-Bilder, Zettel mit notierten Spielständen, ein Sessel mit Decke, der wie gerade verlassen scheint oder der handgeschriebene Zettel eines Laubenbesitzers, der die Plünderer der Parzellen bittet, von Plünderungen abzusehen, da er seine Parzelle nicht an Möbel Kraft verkauft hat, zeugen von dem Leben, das dort einst gelebt wurde. Mittlerweile ist  auch die Parzelle des einsamen Kämpfers gegen die Plünderung zugewuchert – genau wie der Trampeltrecker, der zwischen Brennnesseln und Gras langsam Moos ansetzt. Joachim hofft, die krude Atmosphäre zwischen Leben und Verfall, die von Vergänglichkeit, Gier, Zerstörung und der Rückkehr der Natur erzählt, mit seinen Bildern lebhaft transportieren zu können.

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