Gallenwo?

von Joachim Pimmelberger

Reisebericht Nummer 3 – Gallentin

Was bloß macht Joachim Pimmelberger in Gallentin? Gallenwo? Gallentin. Mit der Betonung auf ‚Galle‘. Gallentin ist ein Nicht-Ort in Mecklenburg, der schon vor der Wende überflüssig war, weil er vor allem durch einen eklatanten Überschuss an Ödnis auffällt. Nur vereinzelte Hunde, ein paar Angler oder Kinder auf Klassenfahrt unterbrechen das Brodeln der Stille, die Perfektion der Idylle. Warum nun treibt sich Joachim Pimmelberger in diesem Ort herum, in dem auch ohne Fantasie dedeherianische Lebensfreude zu erahnen ist? Um sich auf Spuren von Königen, Herzogen und Sozialisten zu begeben? Um sich in einer muffigen Unterkunft in Verzicht zu üben? Um Spaziergänge im errötendem Buchenwald zu unternehmen und über den goldenen Herbstlaubteppich zu wandeln? Um in einem grün gestrichenen Ruderboot auf den Schweriner See zu rudern, die Angel auszuwerfen und Rotfedern für’s Mittagessen am Lagerfeuer zu angeln? Um Kulturausflüge nach Wiligrad und Schwerin zu unternehmen? Um Pilze und Beeren zu sammeln? Um auch mal früh ins Bett zu gehen, weil mit der untergehenden Sonne nichts mehr zu tun bleibt? Um seine funkelnagelneue Funktionskleidung in niederträchtigem Niederschlag und eisigem Zugwind zu testen? Um auf Bäume zu klettern? Um allein am Seestrand liegen zu können? Gute Fragen, dachte Joachim Pimmelberger, er denkt noch immer darüber nach. Eine Antwort fand er bisher: Um Fotos zu machen:

Bei Tag…

… und bei Nacht am Rande der Zivilisation…

… in der Wildnis…

… aber selbst im strukturschwachen Gallentin ist die ‚richtige‘ Zivilisation nicht weit.

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