#2 Joachim las

von Joachim Pimmelberger

 ‚Das Neue‘ von Jonasson

Die Analphabetin, die rechnen konnte – Jonas Jonasson
Eignung: Für unterwegs, zum Einschlafen, für entspannte Stunden auf dem Sofa
Wertung: 3/5 Sternen

„Die Analphabetin, die rechnen konnte“ (engl.: The girl who saved the king of sweden) ist nicht nur das neue Buch von Jonas Jonasson, der mit dem ‚Hundertjährigen‘ einen Überraschungserfolg landete, sondern auch ‚Das Neue‘ von Jonas Jonasson, weil der Autor seinen Erfolgsmustern treu bleibt – einige Ausnahmen bestätigen die Regel. Daher muss sich das Neue auch am Alten messen lassen.
Statt eines rüstigen Rentners übernimmt die juvenile südafrikanische Latrinenreinigerin Nombeko die Rolle der Person, die sich dank ihrer Fähigkeiten und manchen Zufalls durch’s Leben kämpft und dabei die Weltgeschichte merklich beeinflusst. Ihre Lebensgeschichte bildet den Hauptstrang, der sich nach und nach mit den irgendwann begonnenen Nebensträngen verbindet und der als Ausgang für mehr oder weniger nötige Nebengeschichte dient. Wie beim Hundertjährigen. Per Zufall und ausgefuchsten Plänen verdrahtet Jonasson oft auf kuriose Weise die Leben von gegensätzlichen Menschen auf der ganzen Welt. Wie beim Hundertjährigen. Leider stolperte Joachim einige Male über Begebenheiten, die an den Haaren herbeigezogen scheinen und den ‚logischen‘ Fluss dieses Werkes beeinträchtigten (warum bitte trifft die Gruppe der Hauptcharaktere gegen Ende auf dieses furchtbar knickerige Ehepaar?). Nichtsdestotrotz entfaltet die Geschichte dank ihres saloppen, teilweise ins Ironisch-sarkastische kippenden Sprachstils eine ungemein unterhaltende Wirkung, die über manchen Störfaktor hinwegsehen lässt. Wie beim Hundertjährigen. Auch in seinem neuen Buch schafft es Jonasson auf seine unverwechselbare Art, die weltpolitischen Querelen von Israel über Schweden bis nach Südafrika und Situation aus dem Leben seiner Charaktere nüchtern-humorvoll, trocken-satirisch und distanziert-analytisch darzustellen. Wie beim Hundertjährigen. Die Geschichte an sich ist leider deutlich weniger schwungvoll als die des Hundertjährigen, Nombeko verweilt oft viele Jahre an denselben Orten ohne ihren Zielen näher zu kommen. Die Geschichten der Nebenstränge können diese Stagnation nicht wirklich ausgleichen, manchmal nervten die rhapsodisch auftauchenden Teile Joachim sogar. So wie manche der Charaktere. ‚The angry women‘, wie Celestine auf englisch genannt wird, konnte Joachims Nerven nicht beruhigen, sie zählt wie der Mann mit den Diamanten in den Zahnlöchern, der Vater der Holgers, Holger eins und die drei Chinesinnen zu der Gruppe der Figuren, die das Potential haben, ihn aufzuregen. Auf eine unangenehme Art. Die für ihn nicht den Charme der meisten Figuren – auch der ‚Bösen‘ – aus dem Hundertjährigen erreichen. Aber es geht auch wieder um Bomben. Wie beim Hundertjährigen. Aber leider explodieren sie dieses Mal nicht. Dafür kommt Michael Ballack vor. Aber in Person eines Geheimagenten.
Zusammenfassend bleibt Joachim zu sagen, dass das Erfolgsrezept Jonassons auch bei seinem neuen Werk greift, allerdings ist es dieses Mal nicht so ausgewogen, weniger spritzig, die ein oder andere Zutat war überlagert, was durch die Benutzung von zu viel Würze auszugleichen versucht wurde. Es schmeckt trotzdem. Vielleicht ist auch einfach nur der Reiz des Neuen verflogen. Jonasson ist kein unbekannter Senkrechtstarter mehr, sondern mit großen Erwartungen konfrontiert, die er Joachims bescheidener Meinung nach nicht ganz erfüllen konnte.

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