Ganz woanders

von Joachim Pimmelberger

Reisebericht Nummer vier – Lissabon

Gerade erst kam er – Joachim Pimmelberger – in Lissabon an und schon wähnt er sich ganz woanders, fernab der Heimat in einer Welt, die wenig gemein hat mit den Orten, die er seine Heimat und sein Zuhause nennt. Einen Kulturschock erlitt er natürlich auch nicht, aber trotzdem: Es sind zehn Grad mehr und es ist deutlich milder, in der Nachbarschaft seiner Unterkunft mitten in Lissabon krähen nachts Katzen und morgens ein Hahn, die Nachbarin hängt neben der Wäsche zum Trocknen auch einen Käfig mit sieben Kanarienvögeln an die Hauswand, die ebenso mit kunstvoll bemalten Fliesen gefliest ist wie viele andere Häuser hier im Viertel – mögen sie noch so heruntergekommen aussehen. Dafür gibt es so gut wie keinen Weihnachtsschmuck außer roten Decken, die an Balustraden gehängt werden und ein Baby mit Heiligenschein zeigen. Joachims Unterkunft definiert das Adjektiv ‚hellhörig‘ neu, ihn stört es nicht, denn so erhält er einen diskreten Einblick in das Leben der portugiesischen Familie über ihm – es scheint viel aus lautem Hin- und Hergelaufe zu bestehen.
Neben modernen Bussen und Straßenbahnen fahren auch die viele Jahrzehnte alten Straßenbahnwagen herum, die mittlerweile zu einem Symbol dieser Stadt wurden. Joachim glaubt, dass diese Wagen metaphorisch für das Lebensgefühl in Lissabon stehen können (altehrwürdig, ein bisschen klöterig, aber voller Charme), aber er ist sich noch nicht sicher. Dank ihrer drolligen Kastenform – beinahe höher als lang – scheinen sie deutlich schneller zu sein als die ihrer modernen Kolleginnen. Dafür drohen sie aber auch regelmäßig umzukippen, wenn sie die abenteuerlich verlegten Gleise rasant befahren. Gleich geht Joachim los, die verschiedenen Viertel zu erkunden, viele Fotos zu machen und weiter in die Atmosphäre dieser Stadt einzutauchen, in der der Zeitgeist vieler Jahrhunderte und vieler Kulturen erhalten geblieben ist.

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