#3 Joachim las

von Joachim Pimmelberger

Vier Wallanders

  1. Mörder ohne Gesicht – Henning Mankell
  2. Die Brandmauer – Henning Mankell
  3. Die falsche Fährte – Henning Mankell
  4. Mittsommernachtsmord – Henning Mankell

Eignung: Für jede Situation, die Lesen zulässt
Wertung: 4/5 Sternen

Was macht Joachim Pimmelberger, wenn er mal wieder berufsbedingt einige Vormittage ein und derselben Woche auf demselben Stuhl in demselben Raum sitzen muss ohne wirklich was zu tun zu haben? Er besorgt sich beim Gebrauchsbuchhändler einen oder zwei Wallander und folgt dem notorisch nörgelnden Ermittler bei seiner Arbeit.
Henning Mankells Kunstfigur Kurt Wallander erlangte einige Berühmtheit, was vermutlich weniger an seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten, denn an seinen menschlichen Schwächen und Fehlern liegt, die ein hohes Identifikationspotential bergen. Joachim Pimmelberger entwickelte jedoch eher väterliche Gefühle für ihn: Bezogen auf Wallanders Privatleben hätte er gerne mal „Reiß dich zusammen!“, „Lass dich nicht so hängen!“, oder „Locker bleiben und aufräumen!“ gerufen, denn Wallanders Hang zur Einsamkeit, zum Pessismus, zur Glorifizierung der Vergangenheit und seine Unfähigkeit, seinen inneren Schweinehund zu überwinden und Fastfood sowie Bewegungsmangel abzusprechen, verlangten Joachim viel Geduld ab. Teilweise vergolten wird dieser Ärger durch Wallanders Fähigkeit, mangelnden Schlaf durch exorbitanten Kaffeekonsum auszugleichen. Wie Mikael Blomkvist aus der Millenium-Trilogie scheint Wallander keine zwei Sachen nacheinander machen zu können ohne dazwischen Kaffee zu trinken, kochen, brühen, holen, aufzugießen oder zu bestellen. So bleibt er auch noch nach durchwachten Nächten, endlosen Besprechungen und zähen Befragungen dazu fähig, Verfolgungsjagden mit jedwedem Gesochs durchzustehen oder aber die Ermittlungen mit einem entscheidenden Einfall in die richtige Richtung zu lenken.
Trotz unterschwellig angesprochener Missstände in Schweden, die bei Wallander immer wieder zu depressiven Schüben führen, sind diese Krimis keine gesellschaftliche Kritik, sie zeichnen kein umfassendes Portrait Schwedens und auch nicht der Schweden aus Schonen, sie sind nicht besonders lehrreich oder lustig und auch nicht durch eine imposante Prosa gekennzeichnet. Vielmehr ist die geringe epische Distanz der Grund, weshalb Joachim Pimmelberger Wallander so gerne lesend begleitet, denn er fühlt sich nah an dem Polizisten, nah an den Sorgen und Ängsten des geschiedenen Mannes, nah an Ärger und Wut auf Kollegen und Gesellschaft und nah an den Zumutungen für den Körper des Ermittlers. Und trotz des Wissens um das weitere Leben des Kurt Wallander wünscht Joachim ihm von Fall zu Fall, dass er den Absprung aus seinem Leben schaffen möge, in dem ihm das Polizistendasein Hobby, Gesundheit und Familie vermiest und er das Leben durch die Polizistenbrille sieht, die besonders Abgründe, Kriminalität, Leid und Gewalt wahrnimmt. Wallander selbst speist sich selbst immer mit dem Argument ab, dass er ja Polizist sei und immer sein wird. Joachim wünscht ihm jedoch manchmal, dass er auch etwas anderes sein könnte. Zum Beispiel glücklich.

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