Ein amerikanischer Traum! 

von Joachim Pimmelberger

Weltreise Woche 19

Da stehe ich nun in der Ankunftshalle des Flughafens in Lihue auf der hawaiianischen Insel Kauai und habe keinen Plan. Ich weiß weder, wo es hingehen soll, noch wo ich unterkommen werde. Ich weiß immerhin, dass es ein Hostel in Kapaa gibt, denn um in die Vereinigten Staaten von Amerika einreisen zu dürfen, muss man eine Adresse nennen, wo man unterkommen wird. Und weil ich dachte, dass ein Hostel auf jeden Fall authentisch ist, habe ich die Adresse einer solchen Unterkunft bereitgehalten.
Was macht man jetzt, wenn man planlos in der Ankunftshalle eines Flughafens steht? Richtig. Man quatscht Leute an. In meinem Fall entpuppen sich die angequatschten Leute als nette Deutsche, die nach Kapaa wollen und mich dorthin mitnehmen, um mich bei dem einzigen Hostel abzusetzen, dessen Adresse ich kannte. Dort gab’s zwar keine freien Betten mehr, aber freie Sofas in den Aufenthaltsräumen. Voller Preis auch dafür. 43 US-Dollars pro Nacht. Nicht umsonst graute es mir vor der finanziellem Belastung, die der Besuch Hawaiis mit sich bringen würde.
Es stimmt zwar, dass ich im Vorfeld nichts geplant habe, aber ich habe nichtsdestotrotz versucht, etwas zu planen, um mein Budget über die Zeit zu retten. Ich habe stundenlang Wwoofing- Farmen angeschrieben und nach Mietwagen und Jobs geschaut. Wenn auf meine Bemühungen überhaupt eine Reaktion folgte, dann nur in Form einer Absage. So entschied ich mich irgendwann zum Reise-Freestyle.
Nachdem der Einstieg gelungen ist, gönne ich mir ein Nickerchen auf meinem Sofa gegenüber der Rezeption. Als ich langsam wieder wach werde, bezieht eine Reisende die zweite Couch gegenüber der Rezeption, wir kommen ins Gespräch und beschließen, in den kommenden Tagen zusammen etwa zu unternehmen. Ich möchte amerikanischen Klischee-Kram machen und lasse mir dabei ein wenig von ihr helfen.
Bier trinken aus einer Flasche, die unauffällig in einer braunen Papiertüte untergebracht ist. Check. Von der Polizei angeranzt werden, weil ich nach 23 Uhr Bier auf einem Parkplatz am Strand trinke. Check. Doughnuts zum Frühstück. Check. Super Bowl schauen und Bud light trinken. Check. Übermotorisiertes Auto mit Automatik-Getriebe fahren. Check. Im Walmart einkaufen. Check. Smoothie und Bagel vom Foodtruck. Check. Einkauf in Papiertüte ohne Henkel nach Hause schleppen. Check. Jede Menge Americanos trinken. Check. Kaffee nachfüllen lassen. Check. Und jetzt das Highlight: Ich konnte zwar im Vorfeld keinen Job finden, aber auf Kauai wurde ich schnell fündig. In einem Restaurant hat man mich vom Fleck weg eingestellt als ich nach einem Job frage. Als Tellerwäscher. Der amerikanische Traum! Check. Der erste Schritt Richtung Millionär.
Den zweiten habe ich mittlerweile auch geschafft. Bin befördert worden. Dank meiner ‚knife skills‘ habe ich den Sprung von der Spülmaschine in die Essensvorbereitung – ‚prep‘ genannt – geschafft. Mein Gehalt stieg dadurch um 75 Cent die Stunde und meine Aufgaben sind um ein Vielfaches spannender: Frisches Obst und Gemüse schnippeln, Soßen panschen, Burger Pattys stanzen, Fleisch und Nudels portionieren und Eiscreme-Pies bauen. Mal sehen wie weit ich es noch bringe.
Außerdem muss ich daran denken, Hawaii zu genießen, surfen zu gehen, die Insel zu erkunden und so. Es gibt auf Kauai einige schöne Wanderwege, zum Beispiel im pazifischen Grand Canyon. Es gibt nette kleine Orte zu erkunden – habe ich gehört – und jede Menge Surfspots. Mit meiner Reisebekanntschaft aus dem Hostel habe ich bereits zwei kleinere, aber verheißungsvolle Wanderungen unternommen. Da möchte ich anschließen. Jetzt muss ich den Eintrag aber abschließen, da meine nächste Schicht im Restaurant absolviert werden möchte. Ich muss ganz dringend an meiner Work-life-balance arbeiten. Ist das auch typisch amerikanisch? 

Mit der Prollschüssel an den Strand: voll amerikanisch. In der Prollschüssel leben: eher weniger.

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