Hand-made, self-made, seasonal, organic, Kauai grown, sustainable und: arschteuer 

von Joachim Pimmelberger

Weltreise Woche 22

Die Hawaiianer auf Kauai haben ein besonderes Verhältnis zu Natur, Spiritualität und dem Wert selbstgemachter Dinge. Meiner Meinung nach könnte das Teil des Aloha-Spirits sein, der sich mir bislang noch nicht ganz zu erkennen gegeben hat. Das spiegelt sich zum Beispiel in der Vielfalt kleiner Läden wider, die Seife, Schmuck, Gewürze, Kaffee, Eis, Instrumente, Bücher, (gutes) Brot, Säfte oder Möbel anbieten. So viel wie möglich wurde selbstgemacht, so viel wie möglich wurde ökologisch auf Kauai angebaut und so viel wie möglich wird direkt auf Kauai verarbeitet und verkauft. Beeindruckend für eine so kleine Insel mit weniger als 100.000 gemeldeten Einwohnern.
Jeder noch so kleine Ort kann mit hübschen Geschäften aufwarten, die in den liebevoll restaurierten Gebäuden der ehemaligen Zuckerrohrplantagen ihre Waren anbieten. Das Restaurant, in dem ich gearbeitet habe, verarbeitet zu einem großen Teil frisches Obst und Gemüse (unter anderem sogar ‚Hydroponics Grown Salad‘), das auf Kauai angebaut wurde. Überall stehen Food Trucks, die frisch zubereitetes Essen, ‚Shaved Ice‘ – derzeit der Oberrenner hier – oder Kaffee – natürlich Kauai Coffee – verkaufen. Und jeden Tag gibt es irgendwo einen Farmer’s Market, wo man Obst und Gemüse direkt beim Erzeuger erwerben kann.
Natürlich hat solche Qualität ihren Preis. Auf Hawaii erst recht. Frischer Smoothie 10$. Eine Packung Kauai Kaffeebohnen 20$. Poke Balls (Snack mit rohem frischen Fisch) 15$. Eine Waffel mit frischen Früchten und ein wenig Sahne 10$. Ein Laib ‚richtiges‘ Brot 13$. Und so weiter. 

Ein Beispiel für einen der vielen Foodtrucks, die unter freiem Himmel hervorragendes Essen anbieten.

Glücklicherweise ziehen die hawaiianischen Inseln wohlhabende Amerikaner an, die sich ein repräsentatives Anwesen im Paradies zulegen – zum Beispiel Marc Zuckerberg auf der Nordseite Kauais. Und auch Touristen mit vollen Geldbeuteln aus der ganzen Welt tragen dazu bei, dass sich die kleinen, exquisiten und hochwertigen Manufakturen keine Existenzsorgen machen müssen.
Kauai hat aber mehr zu bieten als pittoreske Dörfer, die mit stylishen oder urigen Cafés, Galerien und Restaurants zum Verweilen und Geldausgeben einladen: Die Landschaft ist atemberaubend. Es gibt steil aufragende Felsmassive, Regenwälder und savannenartige Grasflächen mit riesigen, weit ausladenden Bäumen. Und natürlich jede Menge Strände. Die meisten davon sind für mich als verwöhnten Weltreisenden eher normal, aber am North Shore Kauais gibt es ein paar rauhe Schmuckstücke, wo man abgeschieden spazieren gehen und mit ein wenig Glück Wale beobachten kann.
Auf einem solchen Strand begann meine freie Zeit auf Kauai. Jacob hat mich nach meiner letzten Schicht im Restaurant abgeholt und wir sind zu einem ‚Bonfire‘ gefahren, also ein Feuer am Strand mit Leuten drumherum, die musizieren, singen, tanzen, reden oder versuchen, sich selbst in abgefahrene Geisteszustände zu versetzen. Der Himmel war klar, die Nacht kühl, die Leute nett, ein schöner Start meiner freien Zeit. Am Tag darauf haben Jacob und ich es ruhig angehen lassen und uns ein wenig wie Touristen herumgetrieben, einen Burger gegessen, eine kleine Wanderungen unternommen, eine Kaffeeplantage besichtigt und den Abend bei einem furchtbar amerikanischen Volksfest ausklingen lassen. Den folgenden Tag habe ich alleine und wandernd verbracht. Im Waimea Canyon. Dem ‚Grand Canyon des Pazifik‘. Was für ein Wahnsinnsteil! Sogar bei mir verwöhntem Weltreisenden hat dieser Ort mehr Eindruck hinterlassen als alles andere, was ich an spektakulären Orten auf dieser Welt bisher gesehen habe. Und als einsetzender Nieselregen die anderen Touristen vertrieben hat, hatte ich die Trails beinahe für mich. Abgesehen von den Helikoptern, aus denen sich die reichen und faulen Touris den Canyon von oben ansehen. Abends habe ich einen Ort am Meer gefunden, wo ich nächtigte und am nächsten Morgen tatächlich surfbare Wellen vorfand. Es war nicht besonders gut, aber ich war nach all den Wochen tatächlich auf Hawaii surfen.
Da fiel es auch nicht weiter ins Gewicht, dass meine sonstigen Planungen für die verbleibenden Tage von ‚Torrential Rain‘ ertränkt wurden, der typisch für den hawaiianischen Winter sein soll. Viel zu tun gibt es da nicht. Ich habe die Zeit so gewinnbringend wie möglich genutzt und weiter mit Jacob im Haus gearbeitet. Natürlich ganz entspannt. Ich habe schließlich Urlaub! 

Die Natur Kauais ist atemberaubend schön (dieses Foto ist nur ein Schnappschuss aus dem Autofenster)!

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