Vom Reise- in den Urlaubsmodus

von Joachim Pimmelberger

Weltreise Woche 24

Mit einem Messer verteile ich Butter über die gebräunte, knusprige, warme Oberfläche, die Butter schmilzt und dringt durch die offenen Poren der Oberfläche in tiefere Schichten vor, um dem Connoisseur ein vollmundiges Geschmackserlebnis zu ermöglichen. Es duftet nach genmanipuliertem Weizen, der auf endlosen Feldern reift und darauf wartet, gedroschen, gemahlen und von überflüssigem Schnickschnack befreit zu werden, der Ballaststoffe oder Vitamine enthalten könnte. Es schmeckt nach Acrylamid, Holzkohle und ein bisschen Ruß, mein Gehirn und Muskeln stürzen sich auf den frei werdenden Zucker, die Pupillen verengen sich, die Zehen krallen sich in den Beton und ein Schluck Instant Kaffee vervollkommnet diese gustatorische Offenbarung. Den letzten Toaster habe ich bei Richard in Neuseeland benutzt und mittlerweile war mir nicht mehr bewusst, was für ein geiles Zeug getoastetes Toastbrot ist!
Schlussendlich bin ich also auf den Bahamas angekommen, in einem feinen Apartment untergekommem und schwelge im Luxus: Ich bin mit der Liebsten vereint, esse Pancakes oder getoastetes Toastbrot zum Frühstück, schlafe in einem richtigen Bett, von dem aus man das Meer sehen kann, der Surfspot ist direkt vor der Tür und das Wetter genauso angenehm wie auf Hawaii. Klingt alles spitzenmäßig, nicht wahr?!
Ein paar störende Kleinigkeiten gibt es aber immer, oder vielmehr ein paar Dinge, die für mich noch gewöhnungsbedürftig sind. Nach extrem beschäftigungsreichen Wochen auf Hawaii muss ich erstmal wieder im entspannten Surfer’s Lifestyle – man könnte es auch Urlaub nennen – ankommen und die Trotzgenugschlafsträgheit akzeptieren. Nach fünf Monaten, in denen ich mir selbst der nächste war, muss ich mich daran gewöhnen, auf die Bedürfnisse und Wünsche einer anderen Nächsten Rücksicht zu nehmen. Nach fünf Monaten der Trennung mit der Liebsten muss sich der Beziehungsmodus wieder etablieren. Die Kommunkation funktioniert – es gibt schließlich viel zu erzählen -, aber nicht so reibungslos und selbstverständlich wie vor einem halben Jahr. Manche Nuance wird falsch oder fälschlicherweise überhaupt interpretiert, mancher Spruch zündet nicht richtig und es braucht ein bisschen mehr Meta-Kommunikation als üblich.
Der letzte Störfaktor fällt noch nicht weiter ins Gewicht, über die drei Wochen unseres Aufenthaltes könnte er sich aber ein wenig mehr in den Vordergrund drängen: Auf Eleuthera und insbesondere an dem Ort unserer Unterkunft ist fast nichts los. Extrem hohe Preise (die Bahamas sind eines der teuersten Länder der Welt) machen es zudem wieder einmal nötig, am Lebensstil zu schrauben, um über die Runden zu kommen. Zum Glück gibt es nicht so viele Verlockungen wie auf Hawaii sondern nur einen Ort in der Nähe mit einigen wenigen Restaurants und kleinen Läden, es gibt Strände und das war’s mehr oder weniger. Selbst unser Gastgeber hat uns vor der Buchung des Apartments vor der Ruhe und Abgeschiedenheit des ‚Surfer’s Haven‘ gewarnt. Wir wollten es aber nicht anders und die erste Woche verging tatsächlich wie im Flug. Es war sogar ein bisschen was los: Bereits am Flughafen in Nassau haben wir uns mit einem äußerst munteren Rentner-Pärchen – Nancy und Peter – aus den Staaten angefreundet, die uns zu einem Ausflug auf die klischee-pittoreske Insel ‚Spanish Wells‘ mitgenommen haben, wo es Gebäude aus der Kolonialzeit und Strände mit klischee-türkisblauem Wasser gibt. Wir aßen Pineapple-Burger zu Mittag, da Eleuthera für seine Ananässe berühmt sein soll, Peter hat aus seiner Hippie-Phase erzählt und wir besuchten noch die Höhle, in der die ersten Siedler Eleutheras Schutz fanden nachdem sie auf der Flucht vor religiöser Verfolgung vor der Insel Schiffbruch erlitten.
Die restlichen Tage verbrachten wir surfend oder lesend am Strand, in der Hängematte oder in Gregory Town – dem Örtchen nebenan. Am Wochenende gibt es dort manchmal Live-Musik in einem der Restaurants. Einen der Musiker lernte ich zufälligerweise beim Surfen kennen und dadurch motiviert besuchten wir das lokale Riesenevent zusammen mit einem Australier, der das Wochenende über unser Apartment-Nachbar war und mit dem wir uns ausgezeichnet verstanden. Das reichte uns fürs Erste an sozialem Umgang und deswegen zogen wir uns zumeist ins Pärchen-Paradies zurück. Nicht zuletzt, um uns was zu tun für die kommenden Wochen aufzusparen. 

Unsere Unterkunft heißt ‚Surfer’s Haven‘ und sie hält, was der Name verspricht

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